Rückblick auf das Meeting 28./29. Juni 2014
 

  

Rico Freimuth Zehnkampf-König in Ratingen

Nicht einmal gab Rico Freimuth seine Führungsposition ab. Nach dem zweiten Platz im Vorjahr folgte am Wochenende beim Erdgas Mehrkampf-Meeting in Ratingen der Gewinn eines spannenden Kampfes um die EM-Tickets für Zürich (Schweiz; 12. bis 17. August). Sein Startplatz war mit 8.356 Punkten nie in Gefahr, den dritten verbleibenden nach Kai Kazmireks unantastbarer Vorleistung aus Götzis (Österreich; 8.471 Punkte) holte sich überraschend Arthur Abele (8.139 Punkte). Europameister Pascal Behrenbruch wird seinen Titel nicht verteidigen können.

Die EM-Tickets im Zehnkampf sind vergeben. Rico Freimuth (SV Halle) absolvierte diese Saison in Ratingen seinen zweiten Zehnkampf über 8.300 Punkte und bewies damit seine Konstanz auf hohem Niveau. Der Olympia-Sechste startete wie am ersten Tag mit einer neuen Bestleistung über die Hürden (13,78 sec) und schleuderte den Diskus danach auf 49,61 Meter (ebenfalls Bestleistung). Auch in den anderen Disziplinen zeigte der 26-Jährige solide Resultate.

„Ich bin stolz, dieses Jahr schon zwei starke Zehnkämpfe gemacht zu haben und fühle mich gut und fit für Zürich. Ich hoffe, dass ich in Zürich alle Disziplinen zusammenbringen kann. Die Wettkämpfe in Götzis und Ratingen waren sehr unterschiedlich, vom Wetter und von den Einzelleistungen“, sagte der Sieger im Anschluss. Mit Kai Kazmirek (LG Rhein-Wied) kommt einer seiner stärksten Konkurrenten für einen Podiumsplatz aus dem eigenen Land.

 Arthur Abele hält Wort

Neben Kazmirek und Freimuth ist es nicht Pascal Behrenbruch (LG Eintracht Frankfurt), der nach Zürich fährt, sondern Arthur Abele (SSV Ulm). Im Vorfeld hat der Deutsche Meister große Worte geschwungen, dass er nach vielen Jahren der Verletzung in bestechender Form sei und er hielt Wort. Den Bestleistungskurs vom ersten Tag konnte er am Sonntag nicht ganz fortsetzen. Nach einem rasanten Start über die Hürden (13,82 sec) kosteten ihn die 4,40 Meter im Stabhochsprung zahlreiche Punkte. Im Training sei er die Tage zuvor locker über 5,00 Meter gesprungen, sagte er später im Interview. 8.139 Punkte reichten am Ende dennoch deutlich für die EM-Qualifikation.

Denn: Pascal Behrenbruch nutzte seine Stärken am zweiten Tag nicht. Schon am Samstag war er im Kugelstoßen (15,07 Meter) unter seinen Möglichkeiten geblieben. Und auch am Sonntag konnte der 29-Jährige sein Wurfkönnen nicht ausspielen. Der Diskus landete bei 43,16 Metern, der Speer bei 64,83 Metern. Nach dem Stabhochsprung-Patzer von Abele hatte er zwischenzeitlich Hoffnung gehegt.

Höhenflug von Kevin Mayer

Ein Franzose sorgte dagegen im Stabhochsprung für den Glanzpunkt. Der WM-Vierte Kevin Mayer flog über 5,20 Meter. Das war einer der sonnigen Momente in Ratingen, meist wechselten sich Wolken, Wind und Regen ab. Keine optimalen Bedingungen. Im 1.500-Meter-Lauf nahm der Zweitplatzierte Mayer Rico Freimuth 20 Sekunden ab. Das reichte aber nicht mehr, um den Rückstand aufzuholen. Mit 8.323 Punkten hat der Mehrkämpfer im neon-gelben Trikot das Niveau hoch gehalten.

Norman Müller (Hallesche Leichtathletik-Freunde) verpasste als Fünfter die 8.000-Punkte-Marke knapp. Gute Zehnkämpfe zeigten Rene Stauss (LAV Stadtwerke Tübingen), der über Bestleistungen im Speer und Diskus (45,87 Meter) jubelte, und der Jüngste im Feld, Julius Sommer. Der neue Schützling von Wolfgang Kühne stellte eine Reihe von Bestleistungen auf. Auch die 4,70 Meter im Stabhochsprung sorgten für die höchste je erzielte Punktzahl des 21-Jährigen (7.426 Punkte).

Sein Trainingskollege Rico Freimuth, der sich im Vergleich zu Götzis (8.317 Punkte) nochmal steigerte, bereitet sich wie Arthur Abele die kommenden Wochen auf die Europameisterschaften vor. Mit Kai Kazmirek stellen sie ein aussichtsreiches Team. Der verletzte Vize-Weltmeister Michael Schrader (SC Hessen Dreireich) prognostizierte mit neuer, lockiger Frisur im Stadion: „Die ersten drei Plätze können in Zürich die deutschen Zehnkämpfer belegen.“

Autor: Pamela Ruprecht, Leichtathletik.de
Fotos: Arno Bachert, TVR

 

    

Lilli Schwarzkopf zurück an der deutschen Spitze

Lilli Schwarzkopf ist zurück. Die Olympia-Zweite hat am Sonntag das Erdgas Mehrkampf-Meeting in Ratingen gewonnen. Nach überstandenem Achillessehnen-Riss lieferte die Neu-Hannoveranerin mit 6.426 Punkten den fünftbesten Siebenkampf ihrer Karriere ab und schiebt sich an die deutsche Spitze. Hinter ihr knackte auch die WM-Vierte Claudia Rath souverän die EM-Norm.

„Wie gut sich das anfühlt, ich kann es kaum in Worte fallen“, sagte Lilli Schwarzkopf. Die 30-Jährige hatte bereits am ersten Tag den Grundstein für einen tollen Siebenkampf gelegt. Im Hochsprung stellte sie eine neue Bestleistung auf (1,84 m), starke Leistungen mit der Kugel (14,45 m), im Weitsprung (6,20 m) und im abschließenden 800-Meter-Lauf (2:12,85 min) folgten. Die beste Nachricht des Wochenendes ist jedoch neben dieser Riesen-Leistung: Die Sehne hält. „Ich bin komplett schmerzfrei.“

Beste Voraussetzungen für einen guten Auftritt in Zürich, denn nach diesem Wochenende dürften die EM-Fahrerinnen fest stehen. Neben Lilli Schwarzkopf hat auch die WM-Vierte Claudia Rath (LG Eintracht Frankfurt) ihr Ticket sicher. Aus Vier-Kampf war schon nach dem ersten Tag ein Duell geworden.

Claudia Rath behält die Nerven

Nachdem Vorjahressiegerin Julia Mächtig (SC Neubrandenburg) bereits nach dem Hochsprung mit Fußproblemen die Heimreise antreten musste, verzichtete Carolin Schäfer (LG Eintracht Frankfurt) an der Spitze liegend auf ihre Starts am zweiten Tag. „Der Rücken schmerzt. Ich möchte mit Hinblick auf Zürich nichts riskieren“, sagte die 22-Jährige. Schon da war ihr wohl klar – ihre 6.386 Punkte, die sie Anfang Juni in Götzis (Österreich) aufgestellt hatte, würden reichen für ihre erste EM-Teilnahme bei den Aktiven.

Nach soliden Leistungen am ersten Tag, präsentierte sich Schäfers Trainingskollegin Claudia Rath in den drei verbleibenden Disziplinen am Sonntag in Top-Form. „Ich kann es noch“, jubelte sie nach 6,41 Metern im Weitsprung. Vor einem Monat war aus ihrer eigentlichen Paradedisziplin kurzzeitig eine Wackeldisziplin geworden, hatte sie in Götzis (Österreich) doch drei Mal übergetreten.

Zürich rocken im Trio

Und auch mit dem Speer war sie in Ratingen stabil wie selten. Drei Mal flog er über die 40-Meter-Marke. Zusammen mit guten 2:09,20 Minuten über 800 Meter macht das eine Punktzahl von 6.314 Punkte und Platz zwei in Ratingen. „Jetzt will ich Zürich rocken“, sagte Claudia Rath kämpferisch.

Eine Aussage, die auch Bundestrainer Wolfgang Kühne gerne hört. „Claudia braucht immer ein paar Wettkämpfe, um sich rein zu finden. Ich bin zuversichtlich, dass sie in Zürich noch ein paar Punkte drauflegen kann.“

Lob vom Bundestrainer

Genau wie Lilli Schwarzkopf, die von sich selber sagt: „Nochmal so ein Sprung wie von Götzis nach Ratingen, wäre natürlich top, aber ich muss sehen, dass ich bis dahin gesund bleibe.“ Zur Erinnerung: In Götzis hatte sie vor einigen Wochen 6.215 Punkte erzielt. „Das ist eine gute Mannschaft“, sagte Wolfgang Kühne über die drei derzeit besten Deutschen. „Wie Lilli Schwarzkopf unter diesen Bedingungen so eine tolle Leistung hier abgeliefert hat, verdient meinen größten Respekt. Es ist schön, dass sie wieder da ist. Der deutsche Siebenkampf braucht sie.“

 

Autor: Alexandra Neuhaus, Leichtathletik.de
Fotos: Detlef Klostermann, TVR

 

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